Hallo,
ich bin auf der Suche nach soziologischen Geheimtipps!
Kennt ihr soziologische Publikationen, die ihr selbst für besonders bedeutend hält, die aber nicht zum Standardrepertoire der Soziologie gehören?
Ich interessiere mich besonders für soziologische Theorien und würde einfach gerne wissen, was es neben den Klassikern und den aktuellen Diskussionen noch so alles gibt.
Würde mich freuen, wenn ihr mir Bücher/Texte nennen könntet, die interessant sind aber von einer breiten Soziologie missachtet werden.
soziologische Geheimtipps???
(11 posts) (6 voices)-
Posted 1 year ago #
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hmm... vielleicht solltest du etwas genauer werden... und auch interessengebiete angeben, denn schließlich gibt es auch die soz. des ess- und trinkverhaltens!
Posted 1 year ago # -
ein tip noch: schau dir untersuchungen an, zB schneewind et.al 1992 oder vaskovics/rupp/hofmann 1997 und sieh dir an, wie die bestimmte dinge handhaben. bringt am ende mehr als 1000 theorien!
Posted 1 year ago # -
Vielen Danke für den Tipp - ich werde mir die zwei vorgeschlagenen Untersuchungen mal ansehen.
Ich wollte die Angaben absichtlich nicht einschränken...
...aber meine Interessengebiete liegen vor allem bei Herrschafts- und Ungleichheitstheorien.Posted 1 year ago # -
entschuldigung, wenn ich nicht direkt etwas zur beantwortung deines anliegens beitrage, aber an -dieter- gerichtet: worin besteht bitte der mehrwert von studien wie "Optionen der Lebensgestaltung junger Ehen und Kinderwunsch", wenn sich hier jemand explizit für soziologische theorie interessiert? von mir aus nennt mich ignorant der familienpsychologie, verfechter des soziologismus und schmeisst die steine der theorie-empirie verzahnung nach mir, aber das finde ich doch etwas hanebüchen. vor allem mit dem wagen verweis auf 'bestimmte dinge' kann ich noch nich mal mehr selbstironie erkennen...
aber vielleicht doch zum thema und zur rettung dieters (vorherigen) beitrags, jedoch ohne mit einem solch fulminanten repertoir an glanzstudien zu bestechen, sind gerade spezielle (alltags-)soziologien sehr interessant und eben nicht gerade "mainstream", wenn man davon überhaupt sprechen kann. letztlich, wenn man mal von allgemeiner soziologie absieht, findet sich in jeder speziellen soziologie interessante aspekte, die aber natürlich immer im kern auf bestimmte soziologische paradigmen rekurrieren. wobei man natürlich auch beachten muss, dass es in mode zu sein scheint, jeden neuen diskurs gleich als "turn" zu bezeichnen und eine neue postmoderne ära einzuleuten....
achja und konkret zu herrschaft und ungleichheit, und da wir ja eben schon so schön über den tellerrand hinausgeblickt haben, würde ich mich an deiner stelle auch mal mit ethnologischen ansätzen beschäftigen, die sozialanthropologisch getarnt mittlerweile immer mehr zugang in die eherne festung der soziologie finden.
Posted 1 year ago # -
@ DIE NEUGIER
Wenn du dich für Herrschaftstheorien interessierst, so kann ich zumindest auf Themen hinweisen, die vom Mainstream der Soziologie kaum wahrgenommen werden: Krieg, Gewalt, Töten, Genozid.
Mein Buchtipp hierzu: "Soziologie als Synthese: Zivilisationstheoretische Schriften über Architektur, Wissen und Gewalt" von Peter R. Gleichmann (bei amazon.de kannst du dir das Inhaltsverzeichnis ansehen)
Gleichmann war Elias-Schüler und hat Elias' Zivilisationstheorie vor allem in späteren Jahren als Machttheorie gelesen. Elias selbst hat seine Machttheorie nicht mehr ausformulieren können, seine Grundannahmen hierzu finden sich verstreut über alle Bücher. Gleichmanns Fragen, wie z.B. "Sind die Menschen in der Lage, vom gegenseitige Töten abzulassen?" knüpfen an Elias' Theoriemodell an, führt jedoch auch darüber hinaus. "Über massenhaftes Töten sprechen zu lernen", war ein Hauptanliegen Gleichmanns, der unter anderem die Aufgabe der Soziologie darin sah, Tabus aufzuzeigen und sie zur Sprache zu bringen. Die Aktualität dieses Anliegens kann man daran erkennnen, dass zum Beispiel anläßlich des Einsatzes deutscher Soldaten in Afghanistan in den Medien vielfach thematisiert wird, dass deutsche Soldaten getötet werden, jedoch kaum zur Sprache kommt, dass sie auch selbst töten. Im Hinblick auf die deutsche Geschichte ist dies ein mindestens ebenso großer Einschnitt und untergründig spielt die Erschütterung hierüber in der Debatte über den Afghanistaneinsatz sicher eine Rolle, es wird nur nicht zur Sprache gebracht. Auch für die Soldaten selbst, wird dies eine extreme Belastung darstellen, über die sie aber kaum sprechen können. Denn wer will schon Medienberichte hören/lesen, in denen Soldaten darüber berichten, wie sie und wen sie getötet haben?
Die Traumatisierungen der Soldaten wird immerhin inzwischen von der Bundeswehr verstärkt zur Kenntnis genommen, in der Soziologie findet die Traumaforschung jedoch kaum Beachtung. In der Psychologie haben sich die Veröffentlichungen hierzu in den vergangenen Jahren vervielfacht und das Trauma ist hier zu einem zentralen Forschungsgegenstand geworden. In der Mainstream-Soziologie ist dies jedoch noch nicht angekommen, obwohl sich gerade mit der Frage nach den kollektiven Traumata ein neues, weitgehend unbearbeitetes Forschungsfeld eröffnet.Ein weiteres Buch, welches die Vernachlässigung der Gewalt in der Soziologie thematisiert, ist: "Moderne und Gewalt" von Peter Imbusch.
Und noch ein echter Geheimtipp: "Über das Töten in Genoziden" von Holger Meyer
Ein ungewöhnliches, aber sehr lesenswertes soziologisches Buch!!Posted 1 year ago # -
Jetzt hätte ich das doch fast vergessen: Theorien, die nicht zum Standardrepertoire der Soziologie gehören: Die Emotions-Soziologie hat sich zwar als Bindestrich-Soziologie weitgehend etabliert, doch zum Standardrepertoire gehört sie noch lange nicht. Mein Tipp hierzu zwei Bücher des amerikanischen Emotionssoziologen Thomas J. Scheff:
-Bloody revenge. Emotions, Nationalism And War
und
- Emotions, the social bond, and human reality. part/whole analysis
Letzteres mit einem eigenen Theorieansatz (part/whole analysis)Thomas Scheff hat eine eigene Homepage, auf der man viele seiner Aufsätze nachlesen kann.
Posted 1 year ago # -
Die Frage die Du stellst, ist natürlich immer relativ - was gehört schon zur "aktuellen Diskussion" und was ist noch "Geheimtipp"? Was ist vielleicht nur in bestimmten -Soziologien bekannt, aber nur teilweise in der allgemeinen Soz. Debatte angekommen?
Posted 1 year ago # -
Also mein "Geheimtipp", den ich schon häufig empfohlen habe, ist:
Zygmunt Baumann, Vom Nutzen der Soziologie.
Wenn Du Lust hast, alltägliche Situationen durch die Brille soziologischer Theorien zu sehen, dann könnte dieses kleine Büchlein etwas für Dich sein.
Posted 1 year ago # -
@ dagobert: in der hinwendung zur praxis, deren bedeutung stetig zunimmt. man spricht nicht umsonst von der "universitären seifenblase". mit deinen spitzfindigkeiten solltest du dich zudem eher an den fragesteller richten!
@ Neugier in Person:
siehe B400. im bereich ungleichheit und macht ist mW auch so viel publiziert, dass du allein mit dem mainstream ausreichend beshäftigt bist. die devise heißt hier zudem "back to the roots".
wenig elaboriert ist die kritik am individualisierungs-mainstream. systematische arbeiten gibt es wenige, noch weniger empirisch basierte. interessant ist das gebiet jeoch allemal!
Posted 1 year ago # -
die von jeffrey vorgeschlagene emotionssoziologie ist übrigens tatsächlich interessant, allerdings eher aus der linguistischen bzw. "sozialkonstruktivistischen" perspektive ;-)
Posted 1 year ago #
Antwort
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