Abgesehen davon, dass die Frage etwas unscharf ist (meintet ihr in eurem Streit z.B. Film- oder Theaterschauspieler?), gibt es in der Soziologie (und nicht nur hier) nichts, was nicht gibt. Richard Sennett beschreibt in "Verfall und Ende des öffentlichen Lebens. Die Tyrannei der Intimität" die Entwicklung des Theaters seit ungefähr des Mitte des 18. Jahrhunderts. Hierbei analysiert er auch insbesondere die Wandlung der Interaktion zwischen Schauspielern und Publikum. Heute ist dem Theaterpublikum Zurückhaltung auferlegt, Mitte des 18. Jahrhunderts sah das so aus:
"Sowohl in London als auch Paris brachten die staatlich lizenzierten Theater (...) ein Repertoire alter, vertrauter Stücke zur Aufführung. In jedem Stück gab es bestimmte Stellen, die das Publikum genau kannte und es mit Spannung erwartete. Wenn ein Schauspieler oder eine Schauspielerin an eine solche "Pointe" gelangte, trat er oder sie an den Bühnenrand, direkt vor das Publikum, und rezitierte die nun folgenden Verse in die Menge hinein. Das Publikum reagierte entweder mit Johlen unf Pfeifen oder, wenn der Schaupieler seine Sache gut gemacht hatte, mit "Tränen, Gekreisch, Ohnmacht", die nach Wiederholung verlangte. Das konnte sieben- oder achtmal hintereinander geschehen: ein unverzügliches "Da capo" außerhalb der dramatischen Handlung."(S. 105/106)