Hi liebe Forumsmitglieder,
ich habe jetzt mal so einen Vergleich angestellt. Dazu habe ich das Schema von "-" benutzt und den Aufsatz von Meyer gelesen, den B400 vorgeschlagen hat.
Vergleich:
Fachlicher Entstehungsort
PAT: Neuen Institutionenökonomik; Wirtschaftswissenschaften
Neo: Open-System-View; Organisationssoziologie
Ausrichtung
PAT:
Positivistisch (deskriptiv-empirisch) / modelltheoretisch-normativ
Neo:
Programmatisch
Zugrundegelegte Prämissen
PAT:
1.Basiert auf Homo Oeconomicus mit begrenzter Rationalität, unvollständiger Information und Opportunismus
2.Erkenntnisinteresse liegt in der Institution des Vertrags und seiner Rolle in Austauschbeziehungen
3.Mikrofundierung/ methodologischer Individualismus
Neo:
1.Gegenprojektion zu RC-Theorie und den institutionenökonomischen Ansätzen
2.Institutionen als zentrale Erklärungsvariable
3.Hinwendung zu konstruk-tivistischen und kulturellen Erklärungsansätzen (sozial konstruierte Wirklichkeit)
4.Interesse an supra-individuellen Analyseeinheiten
Zentrale Theoreme/Erklärungsmodelle
PAT:
Die dyadische Beziehung von Prinzipal und Agent ist geprägt von Informationsasymmetrie, Interessenskonflikt und unterschiedlicher Risikoneigung
=> Effiziente Ausgestaltung der dyadischen Beziehung
NEO:
Organisationen nehmen gesellschaftlich legitimierte Strukturelemente auf, ihre Legitimität zu sichern und so ihre Überlebensfähigkeit zu steigern => Isomorphie
Typische Gegenstandsbereiche
PAT:
1.Trennung von Eigentum und Kontrolle (Eigentümer und Manager)
2.Kontrolle der Manager durch Aufsichtsrat
3.Kontrolle von Managern durch externe Mechanismen wie Märkte und Börsen
NEO:
1.Diffusion organisationaler Praktiken
2.Entstehung und Aufrechterhaltung von Markt- und Wettbewerbsstrukturen
3.„World-polity“-Forschung (Verbreitung westlicher Rationalisierung)
Gemeinsamkeiten beider Ansätze:
Mit beiden Ansätzen lässt sich der Einfluss von Regelungen auf das Verhalten von Akteuren analysieren.
Je nach gewählten Annahmen sind sie dann sogar miteinander vereinbar
(z.B. Staat fordert Umweltauflagen => Unternehmen realisiert diese nur auf formaler Ebene => opportunistisches Verhalten ist nicht direkt beobachtbar => Anreiz oder Kontrolle)
Informationsasymmetrie macht die Entkopplung erst möglich
Der Neo-Institutionalismus geht insofern über die Agency-Theory hinaus, als dass er auch die Institutionen selbst (Entstehung, Wandel, Legitimation, Umwelt) stärker in den Blick nimmt
Währenddessen wird dies in der Agency-Theory typischerweise einfach als gegebener Ausgangspunkt hingenommen, da man sich vielmehr für deren Wirkungen der Institutionen interessiert
Agentschaft nach John Meyer:
Acency-Theorie unterschätzt die Konstruiertheit, Reguliertheit und Legitimiertheit des Akteurs
Agent (Individuum, Organisation, Staat) kann für verschiedene legitimierte Prinzipale (sich selbst, andere Akteure oder kultureller Rahmen) mit anerkannten Funktionen oder Interessen tätig werden
Er muss dabei aber nach den Regeln der rationalisierten Kultur handeln, sonst setzt er sich dem Vorwurf der Inkompetenz oder der Korruptheit aus => Erfordernis/Erwartung rationalen Verhaltens
Dies Verursacht Interessenkonflikte (auch mit sich selbst), isomorphe Akteure (standardisierter Individualismus) und Entkopplung (Meinung widerspricht Verhalten)
Den niedrigsten Status im System haben Akteure, die nur nach Eigeninteresse handeln
Die Agentschaft ist standardisiert und somit selbst Strukturelement des Systems
Vielleicht habt ihr ja noch Verbesserungsvorschläge oder Einwände. Ich bin für jedes Kommentar dankbar.
Liebe Grüße und noch mal danke für eure Hilfe,
HS