Zu 1. weiß ich nur noch unvollkommen aus der Theorien-Vorlesung von Bettina Meintz, dass Latour u.a. den Blickwinkel von den techischen Artefakten (Objekten) aus auf das Soziale und die Akteure richtet. Er fängt also mit Spuren an, die das Soziale hinterlässt. Technik rahmt, strukturiert und stabilisiert. Dazu gibt es eine konkrete Veröffentlichung: Latour 1996. Darin z.B. "Das moralische Gewicht eines Schlüsselanhängers (52-61). Oder in Latour 2001 (244) findet man: "[...]wäre es notwendig, dass man sich das Soziale mit den Dingen teilen könnte[...]".
Zu 2. bin ich leider überfragt. Es gibt aber eine Veröffentlichung (Latour 1998), da müsste das wohl drin stehen. Ich finde bei Amazon.de dazu eine Beschreibung, aber eine zufriedenstellende Antwort ist das wohl noch nicht.
Am Beginn der modernen Naturwissenschaft steht die strikte Trennung von Natur und Gesellschaft, von "natürlichen" und "gesellschaftlichen" Instanzen. Bruno Latour, einer der prominentesten und eigenwilligsten Vertreter der neueren französischen Wissenschaftsforschung, optiert in seinem Buch dafür, sich diese Trennung etwas genauer anzusehen. Seine These lautet: je strikter und gründlicher diese Trennung in der Moderne vollzogen wurde, um so besser konnten sich zwischen den getrennten Bereichen "Quasiobjekte" ausbreiten, die sowohl natürlich wie gesellschaftlich determiniert sind. Diese hybriden "Quasiobjekte", welche die Moderne ausgeblendet hat, gilt es anzuerkennen. Nur dann nämlich kann das zweifelhaft gewordene Credo der Moderne, daß ökonomische Rationalität, wissenschaftliche Wahrheit und Technik bereits Garanten eines sinnvollen Fortschritts sind, verabschiedet werden, ohne gleich in den Katzenjammer der Postmoderne zu verfallen.
* Latour, Bruno 1996. Der Berliner Schlüssel. Erkundungen eines Liebhabers der Wissenschaften. Berlin: Akademie, ISBN 3050028343.
Latour, Bruno 1998. Wir sind nie modern gewesen. Versuch einer symmetrischen Anthropologie. Frankfurt am Main: Fischer, ISBN 3596137772.
* Latour, Bruno 2001. Eine Soziologie ohne Objekt? Anmerkungen zur Interobjektivität. In: Berliner Journal für Soziologie 11, 237-252, ISSN: 0863-1808.