Hallo Zusammen,
Ich stecke gerade fest in Bourdieus Kapitaldiskussion. Viele Forscher haben die Tendenz ein neues Kapital zu formulieren was ja durchaus auch im Sinne von Bourdieu ist. In vielen Fällen sind diese Kapitalsorten weniger ein tatsächlich neues Kapital als vielmehr eine den anderen Sorten untergeordnetes Kapital. Ich versuche mich diesem Trend ein bisschen zu widersetzen, bin aber gerade etwas steckengeblieben und habe das Problem, dass ich den Aspekt von Ernährung und Gesundheit schwer unter den Kapitalsorten von Bourdieu fassen kann.
Ich versuche mal die Gedankengänge etwas offenzulegen:
Soweit ich verstehe wird Kapital entweder durch den Austausch mit anderem Kapital erziehlt oder durch Anstrengung/Arbeit generiert. Um Kapital durch Arbeit zu generieren ist in vielen Fällen Gesundheit nötig. Gesundheit wiederum wird unteranderm durch Ernährung erziehlt. Betrachten wir eine "Kapitalaustauschkette" in einem Kontext in einem Entwicklungskontext in dem Ernährungssicherheit keine selbstverständlichkeit ist:
Ökonomisches Kapital (z.B. Geld) wird verwendet um Nahrung zu kaufen, die dann konsumiert wird. Durch den Konsum der Nahrung erhält der Körper Energie/Gesundheit (also quasi ein Kapital das im menschlichen Körper gespeichert ist)Dieses Kapital kann dann wieder eingetaucht werden. Primär durch Arbeit in Ökonomisches kapital, aber auch durch "gesundes Aussehen" in soziales oder symbolisches Kapital.
Ich sehe nicht wie ich die Ernährung, bzw die Erfüllung der menschlichen Grundbedürfnisse in der bestehenden Kapitaldiskussion von Bourdieu fassen kann. Die Literatur die ich dazu gefunden habe, kommt überwiegend aus der Gesundheitssoziologie, vollzieht aber nur den ersten Schritt und zwar welchen Einfluss hat die soziale Herkunft (also im Endeffekt die Verfügbarkeit von Kapitalsorten) auf die Gesundheit, ohne den zweiten schritt von Gesundheit zu Kapitalakkumulation zu machen.
Ich wäre dankbar für Überlegungen wie man Gesundheit (bzw. "Erfülltheit von Grundbedürfnissen") in der Kapitaldiskussion fassen kann. Hat jemdand irgendwelche Anknüpfungspunkte an Literatur etc. oder sonstige Reflektionen.
Merci und einen sonnigen Nachmittag
Ruben