@ Arvid Blixen
Ist ja toll, dass in diesem Forum auch mal eine Frage zu Elias gestellt wird.
- Untersuchung und Aufklärung der gesellschaftlichen Zwangsläufigkeiten, unter denen sich Menschen befinden
Du fragst, was damit gemeint ist:
Gemeint ist, dass die Beziehungen der voneinander abhängigen Individuen auf verschiedenen Ebenen vielfältig miteinander verstrickt sind und dass aus diesen Verstrickungen immer auch Zwänge entstehen. Nur wenn diese Zwänge, die aus der gegenseitigen Abhängigkeit entstehen, aufgedeckt werden, besteht die Chance gesellschaftliches Handeln zu kontrollieren.
Gemeint ist auch, dass die Figurationen in ihrer gegenseitigen Abhängigkiet so komplex sind, dass jedes gesellschaftliche Handeln unbeabsichtigte Nebenfolgen zeitigt. Auch dies ist eine Zwangsläufigkeit: Jedes rationale (oder besser vermeintlich rationales) und planvolle Handeln, ist immer mit unbeabsichtigten und oft unkontrollierbaren Nebenfolgen verbunden.
Ansonsten ist deine Aufzählung ja schon recht gut. Was fehlt ist:
-Elias Zivilisationstheorie ist eine PROZESSsoziologie. Er sah die Aufgabe der Soziologie darin prozessorientiert zu denken und nicht statisch. Falls du dies nicht schon mit deinem ersten Punkt meinst: Angemessene Sprech- und Denkweise bezieht sich ja vor allem darauf, Begriffe zu wählen, die keinen Zustand, sondern einen Prozess beschreiben.
-Engagement und Distanzierung, d.h. Elias' wissenssoziologischer Ansatz. Er forderte Einfühlung, Intuition und persönliches Engagement für die eigene Forschung und gleichzeitig die Fähigkeit sich von der eigenen Involviertheit auch immer wieder distanzieren zu können und sich selbst mit Abstand zu betrachten.
-Synthesenbildung: Für Elias bestand Soziologie wesentlich darin, verschiedene gesellschaftliche Ebenen nicht getrennt von einander zu untersuchen, sondern immer in ihrer Wechselwirkung zueinander. (Mehrebenen-Modell)
-Machttheorie: Ein Ansatz, den er am wenigsten zu Ende entwicklen konnte, doch aus seiner Theorie nicht weg zu denken. "Macht ist eine Struktureigentümlichkeit einer jeden menschlichen Beziehung." (Was ist Soziologie? S. 77) Siehe auch seine Studie "Etablierte und Außenseiter". Die Aufgabe der Soziologie ist nach Elias auf jeden Fall die Aufdeckung von Machtstrukturen auf jeder Ebene.
Literaturtipp zu Elias: Hans-Peter Waldhoff: Verhängnisvolle Spaltungen. Versuche zur Zivilisierung wissenschaftlichen Wissens (darin Teil I Elias lesen)