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Thema: Offtopic: "mensch" statt "man"

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29.01.2007, 08:24 Uhr von Christian97
In diesem Forum ist es ja relativ weit verbreitet, statt des üblichen "man" das Wort "mensch" zu verwenden.

Ich gehe davon aus, daß "man" abgelehnt wird, weil es "Mann" zu ähnlich ist und damit weibliche Personen ausgeschlossen werden. Nun schreibt der etymologische Duden zu "man" in der Tat: "Das unbestimmte Pronomen der 3. Person hat sich aus dem Nominativ Singular des unter -> Mann behandelten Substantivs entwickelt" - so weit nicht überraschend. Unter "Mann" liest man u.a., daß unklar sei, welche Vorstellung dieser Benennung des Menschen zu Grunde liege und daß das Wort "mit verwandten Wörtern in anderen indogermanischen Sprachen auf manu- oder monu- 'Mensch, Mann', Manus 'Stammvater der Menschheit'" zurückgehe.

Unter "Mensch" wiederum kann man lesen, daß dieses Wort eine "Substantivierung des gemeingermanischen Adjektivs althochdeutsch menisc, gotisch mennisc, altisländisch mennskr 'menschlich, männlich'" sei.

Kurz und gut: man, Mann und Mensch haben offensichtlich den gleichen Ursprung, die Verwendung von "mensch" statt "man" löst also das (vermeintliche) Problem offensichtlich nicht wirklich. Laßt euch was einfallen, Gleichsteller dieser Welt! ;)

Quelle: Duden. Das Herkunftswörterbuch. 4., neu bearb. Aufl., Mannheim u.a.: Dudenverlag (2007), Einträge zu man, Mensch und Mann.

59297

29.01.2007, 10:00 Uhr von Elke Registrierter Nutzer (Profil ansehen)
Sehr interessanter Beitrag!!
Ich als Frau kann auf das "mensch" statt "man" gut verzichten. Auch auf die vielen Endungen mit "...Innen".
Wenn man schon mit sprachlichen Differenzierungen auf die Sensibilität für Geschlechterfragen hinweisen möchte, dann plädiere ich eher für die Ersetzung durch "frau", aber auch nur wenn es in dem Text explizit um Frauen geht.

59310

 


29.01.2007, 12:26 Uhr von Silver Registrierter Nutzer (Profil ansehen)
Hallo,

Du rekonstruierst ein Kriterium:

"Ich gehe davon aus, daß "man" abgelehnt wird, weil es "Mann" zu ähnlich"

"Ähnlich" bzw. identisch empfinde ich die Worte "Mann" und "man" in einem AKUSTISCHEN Sinne.

Deine etymoLOGISCHE Argumentation stellt ein ganz anderes Kriterium auf: nicht die AKUSTISCHE Identität, sondern die "Wort-Herkunft".

Insofern argumentiert dieses Argument zumindest an meinem Kriterium vorbei.

Wenn mensch das falsche Kriterium rekonstruiert, dann ist es natürlich leicht eine Nicht-Problemlösung zu konstruieren. Das etymologische Problem, das dein Kriterium aufstellt, wird dann nicht gelöst, weil es gar nicht zur Debatte stand. Und das Problem, welches durch das akustische Kriterium verwendet wird, hast Du nicht rekonstruiert.

Aber dein Beitrag ist interessant! - etymologisch.

59335

29.01.2007, 13:18 Uhr von anne
warum nicht immer "frau" - Männer könnten sich doch mit angesprochen fühlen.

59342

29.01.2007, 14:51 Uhr von Frau
@Silver
Aber die akkustische Ähnlichkeit, bzw. Identität beruht doch auf der Wort-Herkunft.
Diejenigen welche die Verwendung von "man" ablehnen, tun dies doch durchaus, weil sie wissen, dass es eine Ableitung von "Mann" ist, also sie beziehen sich durchaus auf die Wort-Herkunft, nicht nur die akkustische Identität.
Insofern hat Christian97 schon recht.

59357

29.01.2007, 15:00 Uhr von Silver Registrierter Nutzer (Profil ansehen)
Aus meiner Sicht vermengst du du zwei Kriterien. Wenn ich sage, dass mein Kriterium die akustische Identität ist, dann ist das mein Kriterium.

Wenn Du sagst, dass diese Identität etymologisch auf der Wort-Herkunft beruht, dann führst DU das eine auf das andere Kriterium zurück.
Und anscheinend ist das DEINE Vorgehensweise. Es ist aber nicht meine.

Da ist K1 und da ist K2. DU persönlich stellst ein Verhältnis zwischen K1 und K2 her: K2 -> K1.
Und unternimmst es dann einem anderen, der K2 formulierte, "Recht" zu.

Finde ich sehr seltsam, diese Vorgehensweise.

59358

29.01.2007, 15:02 Uhr von Silver Registrierter Nutzer (Profil ansehen)
PS: da fehlte etwas: "Und sprichst dann einem anderen, der K2 formulierte, "Recht" zu."

59359

29.01.2007, 15:18 Uhr von Silver Registrierter Nutzer (Profil ansehen)
Da mir die Form und Aufmachung des gesamten Themas ein wenig bizarr erscheint:

Falls noch jemand ein drittes Kriterium einführen wird/will und den Wortursprung auf ein drittes Kriterium zurückführen möchte (K3 -> K2 -> K1) und dann sagt, er hätte "Recht", so möchte ich schon jetzt sagen, dass es hier – zumindest nicht für mich - nicht um Recht-Haben geht.
Ich habe meinen Grund, ich behaupte für niemanden, dass dies auch sein Grund sein soll und ich behaupte auch nicht, dass es der einzige Grund für einen Menschen sein kann oder soll. Die Frage nach "Recht", warum ein Mensch "man" oder "mensch" schreiben sollte und wer hier Recht hat, stellt sich für mich nicht.

59363

29.01.2007, 15:58 Uhr von Erna
Die Etymologie bestimmt doch die Akustik. Das sind zwei Seiten der selben Medaille, die mensch, frau, man nicht trennen kann. Etwas anderes ist es, wenn es Dir konkret um das Wort "Mensch" geht. D.h., du würdest auch z. B. im Französischen "on" durch "Mensch" ersetzen?

Auch mir geht es nicht ums Rechthaben.

Gruß,
Erna

59378

29.01.2007, 16:08 Uhr von Silver Registrierter Nutzer (Profil ansehen)
"Die Etymologie bestimmt doch die Akustik. Das sind zwei Seiten der selben Medaille, die mensch, frau, man nicht trennen kann."

Das ist deine Theorie. Versuche das doch einfach zu verstehen.

59379

29.01.2007, 16:08 Uhr von Christian97
Ums "Recht haben" geht es auch mir nicht, ich wollte nur auf den Sachverhalt aufmerksam machen. Ich denke, in einem wissenschaftlichen Forum muß es schon gestattet sein, etwas differenzierter darüber zu diskutieren, wenn ein in einem bestimmten Kontext allgmein übliches Wort durch ein anderes ersetzt wird. Insofern verwundert mich deine Einschätzung des Themas als "bizarr", Silver.

Ich denke, daß man Klang und Ursprung eines Wortes nicht völlig trennen kann. Schließlich ma(h)len ja auch sowohl der Müller als auch der Maler, trotzdem sind das zwei unterschiedliche Dinge. Insofern finde ich es doch ein wenig oberflächlich, die Verwendung eines Wortes aus rein klanglichen Gründen abzulehnen und andere Aspekte zu ignorieren.

59380

29.01.2007, 16:14 Uhr von Silver Registrierter Nutzer (Profil ansehen)
Wie wäre es einfach mal mit Perspektivenwechsel? Ich verstehe deine Perspektive. Verstehst Du auch meine ? Beide sind möglich. Mensch muss nicht unbedingt deine Perspektive einnehmen.

59381

29.01.2007, 16:22 Uhr von Silver Registrierter Nutzer (Profil ansehen)
Du kannst meinen Grund "oberflächlich" nenne. Du kannst ihn bezeichnen wie Du willst.
Du kannst noch so komplizierte Theorien hier aufführend... .
Das ändert nichts daran, dass dies mein Grund ist und das ist vollkommen in Ordnung.

Aber darum geht es doch gar nicht. Genau das, geht doch die ganze Zeit am EIGENTLICHEN Thema vorbei.

Übrigens habe ich geschrieben:
"Da mir die Form und Aufmachung des gesamten Themas ein wenig bizarr erscheint"

Das Thema selbst habe ich also nicht als bizarr bezeichnet.
Ich finde es soziologisch sehr interessant. Aber darüber wird hier nicht mehr gesprochen.

Ich finde, dass sehr standpunktzentrisch und emotional kommuniziert wird. Das zeigt sich auch daran, wie verfälschend hier andere Beiträge zitiert werden. Und es ist auch sehr verwunderlich wie sehr hier einzelne Positionen als allgemeingültig dargestellt werden, als einzige Perspektive (!), und was für ein Theater veranstaltet wird, um einem Menschen seine Meinung zu bestreiten, die er niemandem aufzwingen möchte.
Dein Beitrag ändert daran auch nichts, sondern führt das alles nur fort.

Vielleicht liegt das ja am Thema.

59383

29.01.2007, 16:27 Uhr von Silver Registrierter Nutzer (Profil ansehen)
Vielleicht hilft es ja einfach, zwei Ebenen zu trennen, die hier anscheinend die ganze Zeit durcheinander gewürfelt werden.

1. Die Menschen, als empirische Objekte der Forschung, geben auf Nachfrage Gründe für ihr Handeln etc. an. Und als einen solchen Grund habe ich meinen Grund angeführt, also warum ich das Wort so und so beim Schreiben verwende.

2. Die Wissenschaftler können diese empirischen Objekte und deren Aussagen wissenschaftlich untersuchen. Hier kann ausführlich argumentiert werden. Hier ist es von Relevanz, wie es ERKLÄRT werden kann, welche Worte warum verwendet werden etc. .

Wie wäre es, wenn wir diese Ebenen einfach einmal klar trennen würden?
Ich habe das übrigens die ganze Zeit schon implizit getan.

59384

29.01.2007, 16:39 Uhr von Silver Registrierter Nutzer (Profil ansehen)
Vielleicht noch ein Beispiel zu den Ebenen:

Ich frage als Wissenschaftler einen Menschen auf der Straße, warum er an dieser Ecke eine Zigarette raucht.

Er sagt mir: "Mein Grund? Na diese Ecke liegt zwischen meinem Büro und meinem Haus. Und hier und dort sollte ich nicht rauchen. Außerdem mache ich das schon immer."

Wissenschaftler: "Ist das ihr Grund?"

Mensch auf der Straße: "Ja, das ist mein Grund. Natürlich!".

Ihr sagt diesem Mann als Wissenschaflter: "Das ist falsch. So oberflächlich kannst Du doch nicht argumentieren. Du rauchst nicht nur eine Zigarette, weil die Ecke zwischen Haus und Arbeit liegt, sondern weil dein Körper... -> biopsychologische Theorie des Rauchens ... .


Der "Grund" des Menschen als "Handlungsmotiv" ist vollkommen ok.
Und ihr könnt eure komplexe Konstitutionstheorien aufstellen, die auch noch begründet, warum er diesen Grund hat etc. .

Aber ich vertretez die Meinung, dass es offensichtlich und hilfreich ist, diese Ebenen auseinander zu halten.

59387

29.01.2007, 16:40 Uhr von Erna
@ Silver

0.k. ich versuchs

59389

29.01.2007, 16:59 Uhr von Frau
@Silver 15.00 und 15.18 Uhr
Ich wusste nicht, dass man sich die Kriterien frei auswählen kann. Wenn jeder seine Kriterien frei bestimmt, scheint mir ein Austausch doch recht kompliziert.

Der Raucher "weiß" doch, dass er unter anderem auch deswegen raucht, weil sein Nikotinspiegel abgesunken ist und ihn danach verlangt...Und wenn man ihn fragen würde, warum er raucht, überhaupt, würde er vielleicht auch so ähnlich antworten. Er wurde aber ja gefragt, warum er an dieser Ecke rauche, diesbezüglich hat er doch ganz "korrekt" geantwortet.

Ich versteh schon deine zwei Ebenen, aber Christian97 hat trotzdem Recht.

59392

29.01.2007, 17:04 Uhr von Silver Registrierter Nutzer (Profil ansehen)

:-)

59394

29.01.2007, 17:09 Uhr von Silver Registrierter Nutzer (Profil ansehen)
Frau, ganz ehrlich. Es tut mir Leid,... ... aber wenn mein Beitrag so falsch verstanden wird, dann sehe ich keinen Anknüpfungspunkt mehr.

Aus meiner Sicht verwechselst und vemengst du andauernd diese Ebenen - auch innerhalb eines einzelnen Argument-Satzes.

59397

29.01.2007, 17:26 Uhr von Silver Registrierter Nutzer (Profil ansehen)
1. Der Mensch hat "korrekt" geantwortet. Genau darum geht es ja. Darum ist es vollkommen unsinnig, wenn der Wissenschaftler sagt, dass diese Aussage falsch ist.
Diese Frage stellt sich eigentlich nicht.

2. Wenn Du die Ebenen auf das Gespräch übertragen würdest, dann könntest Du nicht sagen eine Person habe Recht, weil das Gespräch auf 2 Ebenen gelaufen ist, wobei auf einer Ebene diese Frage gar nicht gestellt werden kann und die andere Ebene, die wissenschaftliche, sollte - aus meiner Sicht - eigentlich so weit sein, dass sie ebenfalls verschiedene Theorien zulässt.
Die Frage nach Recht stellt sich gar nicht.

59403

29.01.2007, 17:29 Uhr von Silver Registrierter Nutzer (Profil ansehen)
Ich befürchte, dass das Argumentieren nicht weiter führen wird.
Ich will damit niemanden Unrecht tun, es tut mir auch Leid, aber ich beende hiermit meine Beiträge für dieses Thema.

Vielleicht verändert sich ja das Klima.

59404

01.02.2007, 13:55 Uhr von Sophie Philo
Also ich versuche möglichst das Wort Mensch zu verwenden.
Den Beitrag zur Wortherkunft finde ich interessant, er wird aber nichts daran ändern, dass ich mensch vor man bevorzuge. Wie Silver schon geschrieben hat gibt es da ja auch noch den Aspekt der Akustik.
Ich denke das Problem ist, dass historisch in Europa der Mann als Mensch definiert wurde, die Frau als das Andere. Es wird also kaum möglich sein eine Alternative zu finden,die ethymologisch unproblematisch und trotsdem für jedermensch ;) verständlich ist.
Wenn ich mensch verwende,dann um für die Geschlechterproblematik Aufmerksamkeit zu schaffen. Das Christian das Thema thematisiert hat, zeigt ja, dass es wirkt.
frau ist zum einen provokativer, zum anderen kann es leicht missverstanden werden, deshalb verwende ich lieber mensch. Leider wird der Femminusmus ja oft als Wunsch die Frau über den Mann zu stellen missverstanden, Gleichberechtigung sowohl für Männer, als auch für Frauen ist aber das eigentliche Ziel.

Etwas schade finde ich, dass immer wenn so ein Thema aufkommt gleich !Frauen! meinen sich vom Gebrauch gendergerechter Sprache distanzieren zu müssen. Scheint mir fast häufiger vorzukommen, als dass Männer sich in Diskussionen dagegen aussprechen.

60269

01.02.2007, 21:52 Uhr von Christian97
"Wenn ich mensch verwende,dann um für die Geschlechterproblematik Aufmerksamkeit zu schaffen."

Ich frage mich nur immer, ob nicht eher das Gegenteil erreicht wird. Drückt man sich "geschlechtsneutral" aus, hat man ja gezeigt, daß man unglaublich gleichberechtigungsorientiert ist - um die echten Probleme der Ungleichheit wie Lohnunterschiede, Wehrdienst, Aufsteigsschancen etc. muß man sich dann ja nicht mehr kümmern, denkt man etwa an Broschüren öffentlicher Stellen o.ä.

60437

01.02.2007, 22:19 Uhr von Nikolaus Buhmann
Also laut epistemologisch- systemtheoretischer Emergenzdifferentiation ist das sog. man nur ein ganz normaler Mann mit nur einem Ei.

60441

01.02.2007, 22:32 Uhr von Sophie Philo
Christian97, die Broschüre öffentlicher Stellen, die mensch verwendet möchte ich mal sehen!
Das BinnenI wird schon ehr malals Alibi gebraucht.
Die Wirkung differenziert halt immer, je nachdem wer es verwendet.
Und mal ehrlich, wer lässt sich den von einem BinnenI über die Probleme hinwegtäuschen? Und eine unglaubliche Gleichberechtigungsorientierung kann mensch damit heutzutage auch nicht mehr demonstrieren, oder?

Nikolaus, schau doch mal in das Thema Netiquette rein.

60447

01.02.2007, 22:46 Uhr von herbert
ich sags mal ganz offen: Gender hatte ihren Höhepunkt! vor allem die Frauenbezogenheit.

60452

02.02.2007, 15:19 Uhr von Sophie Philo
Häh? Erläutere das doch mal genauer.

60590

04.02.2007, 01:23 Uhr von Sophie Philo
Die mensch-Sache ist irgendwie suboptimal. Wenn ich "mensch" schreibe tendiere ich dazu mit "er" weiterzuschreibn, weil "der Mensch". sollte es vieleicht mal mit "es" versuchen :)

61006

04.02.2007, 02:39 Uhr von Silver Registrierter Nutzer (Profil ansehen)
lebewesen !!! :-)

Wird lebewesen sich daran stören, wenn ich "lebewesen" schreibe ? :-)

Was sagt der Etymologe dazu ?

61010

08.02.2007, 14:29 Uhr von Felicia06 Registrierter Nutzer (Profil ansehen)
SophiePhilo, studierst du gender? oder Literaturwisenschaft?
Ich persönlich studiere Gender und finde es nicht unbedignt nötig, das Wort man durch irgendetwas wie auch immer geartetes zu ersetzen. Mögen mich die Emanzen steinigen. Das sind so Wortklaubereien, die man sich als Student leistet, weil man ja so schlau ist, aber ändert das was an unseren Lebensbedingungen?

62429

08.02.2007, 14:40 Uhr von Silver Registrierter Nutzer (Profil ansehen)
Ich denke es besteht da schon eine Möglichkeit der Bewußtmachung... ... approximativ der Aufklärung - im bescheidenen Sinne.
Gerade in der Interaktion mit Nicht-Studenten kann das auch einen bewußtmachenenden zumindest konfrontierenden Effekt haben. Natürlich kann das auch dazu führen, dass der Beobachter des Studenten dann den Stereotyp "Student" ohne Konfrontation einfach nur reproduziert - und dadurch auch seine eigene Deutungsmusterwelt. Aber es kann eben auch anders laufen.

Natürlich steckt dahinter eine Portion Idealismus, die viele Menschen abstreifen, wenn sie dann im Arbeitsalltag stehen, mit den Füßen auf der festen Arbeitserde: da leistet sich mensch nicht mehr solche Ideale, weil er dann ja noch schlauer ist ;-)

62433

08.02.2007, 17:58 Uhr von Sophi Philo
@Felicia06 Ich studiere einfach nur Soziologie und Politikwissenschaft, hab da auch schon mal Gender-Veranstaltungen besucht. War schon vorher ne Emanze, aber die Idee das auch auf die Sprache anzuwenden habe ich aus der Uni vor 3 Jahren oder so, praktiziere es allerdings erst seit kurzem, ist zum Teil sicherlich auf feministische Gruppen im StudiVZ zurückzuführen.
Ich werde dich nicht steinigen und unbedingt nötig finde ich es auch nicht, bin bei der Umsetzung auch nicht dogmatisch konsequent. Trotsdem halte ich es für eine gute Möglichkeit Aufmerksamkeit für die Gender-Thematik zu schaffen.
Sicherlich hat die Verwendung von gendergerechte Sprache mit akademischer Sozialisation und Kultur zu tun, da kann mensch schon Kritik ansetzen. Kann manchmal sicherlich sinnvoll sein, z.B.wenn die Zielgruppe nicht akademisch ist gendergerechte Sprache nicht zu benutzen um eben eine Abgrenzung zu vermeiden.
@ Silver lebewesen klingt gut! Aber ich bin doch so schreibfaul ;) Ich sehe nur das Problem, dass das auch Tiere und Pflanzen umfasst. Also im Sinne der Tierrechtsbewegung durchaus positiv :) aber im inhaltlich doch ehr unkorrekt.
Ich stell mir mal vor, wenn ich jetzt das Wort lebewesen verwenden würde und irgendjemand femministisch oder nicht würde mich fragen warum, ich erkläre dann, dass die Ersetzung von man durch mensch nicht geht, die würden mich doch für total bekloppt und dogmatisch halten! :) Da muss ich wohl bei dem "fragwürdigen" Begriff mensch bleiben.

62482

09.02.2007, 20:03 Uhr von Felicia06 Registrierter Nutzer (Profil ansehen)
@SophiePhilo
du hast sicher recht, es weckt Aufmerksamkeit. Trotzem kommt es mir so..kleinlich vor. Es macht doch nun wirklich nichts aus, ob man man sagt oder was anderes, es gibt Dinge, wo wir wirklich benachteiligt werden, und da sollte was gegen getan werden!

62865

09.02.2007, 23:39 Uhr von Sophie Philo
@Felicia06
Als ich das erste mal gendergerechte Sprache bewusst wahrgenommen habe,habe ich ehrlich gesagt auch so darüber gedacht. Ich denke wie mensch das wahr nimmt hängt sehr stark von den dahintersteckenden Intentionen, die mensch annimmt ab.
Klar sind die Auswirkungen von gendergerechter Sprache allein wohl ehr klein, aber das eigene Schreibverhalten lässt sich viel leichter ändern, als die wirklich wichtigen Dinge. Das kann wirklich jeder (heißt nicht, dass es jeder machen soll/muss) ohne großen Aufwand machen. Hier sehe ich den Vorteil dieser Protestform.

62952

22.12.2007, 01:38 Uhr von Jennifer
Ich sehe kein Problem in der Verwendung mensch oder man. Wobei ich den Begriff "mensch" persönlich gelungener finde (auch wenn ich ihn seltener verwende), obwohl ich die Binnen-I-Verwendung wichtiger finde. Wenn man aber meint, man müsste jetzt lieber von mensch/frau sprechen, impliziert das, dass Frauen keine Menschen sind und dieses hisorische Disaster möchte ich nicht gern wiederholt sehen.
Da das Wort Mann auch Mensch bedeutet und somit gern in der Vergangenheit diese beiden Begriffe vermischt oder gleichgesetzt wurden (heute z.B. oft auch noch in anderen Sprachen, z.B. Französisch, Englisch), wäre es vielleicht eher sinnvoll darüber nachzudenken, ob die Verwendung des Wortes Mann für männliche Menschen logisch ist. Bei anderen Tierarten mit xy-Chromosomen wird ja z.B. auch von Männchen gesprochen, was wörtlich bedeutet "kleine Menschen". Eine xy-Mücke ist also ein kleiner Mensch.
Diese sprachliche Vermischung mit der Spezies Mensch und dem biologischen Geschlecht Mann könnte auch eine Erklärung dafür sein, warum man von "der Mensch" spricht, "das Mensch" gibt es zwar auch (siehe Duden), aber dies wird momentan als Bezeichnung für Frauen gehandelt.

Zur Diskussion um den Sinn der 'gerechten' Sprache, wo es ja andere Probleme gibt kann ich nur sagen:
Unsere Sprache ist ein nicht unwesentlicher Bestandteil menschlicher Kultur (ich grenze hier Privates nicht von Öffentlichem ab), Kultur ist der Raum der Sozialisation, somit bildet Sprache einen großen Teil unserer Sozialisation. Daher sehe ich Sprache auch nicht als triviale Nebensächlichkeit an, denn sie vermittelt einen großen Teil der Informationen darüber, wie wir die Welt sehen (sollen). Wenn Sprache nicht so bedeutend wäre gäbe es niemals Diskussionen um sprachliche Manipulation. Da aber mittels Sprache Gedanken manipulert werden können ist dies umso mehr ein Beleg dafür, dass Sprache einen nicht unbedeutenden Teil unseres Weltbildes prägt. Unser Denken bestimmt wiederum unser Handeln (Hätte sich niemand eine Schusswaffe ausgedacht, gäbe es keine).
Aus diesen Gründen finde ich das reflektieren des eigenen Sprachgebrauchs um so wichtiger, auch in Kreisen, die sich eher nicht theoretisch mit dem Thema Sprache auseinandersetzen. Wenn man empfiehlt diese Kreise auszuschließen (oder zu 'schonen'), könnte man auch verlangen, man solle sie von allen theoretischen / wissenschaftlichen Überlegungen / Erkenntnissen ausschließen oder vor gesamtgesellschaftlich verbindlichen Regeln bewahren. Auf diese Idee kommt ja auch niemand.

Außerdem wird das Denken nur 'beflügelt' durch diejenigen, die - salopp gesagt - auch mal aus der Reihe tanzen, neue Ideen einbringen, sonst gäbe es ja gar keine gesellschaftliche Entwicklung.

290386

23.12.2007, 00:12 Uhr von maryj Registrierter Nutzer (Profil ansehen)
mich würde es sehr interessieren,wieviele menschen sich tatsächlich bei der wortwahl "man" nicht angesprochen fühlen.ich denke,es dürfte ein recht geringer prozentsatz sein.daher meine frage:wenn die mehrheit der menschen unter diesem wort das selbe verstehn,dabei weder über die herkunft des wortes bescheid wissen noch sich von dem ähnlichen klang(da klangähnlichkeiten in der sprache durch unsre begrenzten laute immer vorkommen)stören lassen,wozu wird dann dieses thema so oft besprochen?was wäre denn,wenn sich das wort mensch in der gesellschaft durchgesetzt hätte?wer hätte wirkliche vorteile(außer die,die sich jetzt angesprochen fühlen)?die meisten texte wären noch ein paar buchstaben länger?!da stimmt doch das verhältnis zwischen aufwand und gewinn nicht mehr.

291162

23.12.2007, 16:02 Uhr von demazzel Registrierter Nutzer (Profil ansehen)
Sprache lässt sich in der Regel nicht steuern. Es gibt einige wenige Ausnahmen, wie die feministische Linguistik. Es war doch vor einigen Jahrzehnten noch standard, in Briefen "Meine sehr geehrten Herren" zu schreiben; und wir haben es engagierten Frauen zu verdanken, dass diese und ähnliche Ungerechtigkeiten nicht mehr vorkommen. Ich persönlich finde "mensch" auch besser als "man". Wir werden sehen - in ein paar Jahren - vielleicht ist ja dann die Zeit reif für gendergerechten Sprachgebrauch ;-)

291586

06.01.2008, 13:55 Uhr von Marcel
@Silver:
Wenn es auch um akustische Ähnlichkeiten geht, dann dürfte ich mich auch nicht auf einen Stuhl setzen bzw. meinen Gast dazu auffordern, sich auf einen Stuhl zu setzen, ohne ihn zu beleidigen.
Wissenschaftlich gesehen ist die Verneinung des Wortes "man" nicht haltbar, genauso wie die Verneinung des Wortes "mankind" im Englischen.
Insgesamt stehe ich einer geschlechtergerechten Sprache positiv gegenüber, allerdings finde ich auch, dass die tonangebenden Personen dieser Diskussion unter hypersensibilität leiden, die Ihnen vielleicht einmal genutzt hat, als das Thema neu war, die nun aber bei wissenschaftlicher Betrachtung des Themas fehl am Platz ist.

304476

06.01.2008, 13:57 Uhr von Marcel
Nachtrag: Mit "tonangebenden Personen dieser Diskussion" meinte ich niemanden hier im Forum, sondern führende, meist altgediente SprachwissenschaftlerInnen.

304478

06.01.2008, 14:39 Uhr von QualiTutorin Registrierter Nutzer (Profil ansehen)
Ich habe meine Dip. geschrieben, ohne auch nur einmal das Wort "man" zu verwenden. Hilft euch das vielleicht weiter?!? :-)

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09.03.2010, 13:29 Uhr von Tanabor Registrierter Nutzer (Profil ansehen)
findet ihr das nicht generell ein wenig übertrieben mensch statt man zu schreiben? irgendwann fangen wir noch damit an uns darüber Gedanken zu machen warum es nicht DER sondern DIE Gesellschaft heisst oder EINE gute Tat und nicht EIN GUTER Tat. M. E. ist das eine Degenerierung der deutschen Sprache. Ähnlich traurig wie der Dativ der mittlerweile immer mehr den Genitiv verdrängt. Ein Einklang und die Gleichstellung der Geschlechter ist keine Frage der Sprache, es ist eine Frage von gegenseitigem Respekt. Ich denke nicht, daß solch ein komisches Wort wie "mensch" statt "man" dazu beitragen könnte.

Wenn ich in einem satz "man" verwende habe ich das bisher noch nie mit dem Wort "Mann" in Verbindung gebracht

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11.03.2010, 10:25 Uhr von b40O Registrierter Nutzer (Profil ansehen)
http://agqueerstudies.de/frank-apunkt-schneider-d

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15.03.2010, 13:17 Uhr von Tanabor Registrierter Nutzer (Profil ansehen)
naja Herr Schneider hat seine meinung dazu. find ich allerdings sehr weit hergeholt. man kann natürlich in allem und jedem ein problem sehen und es thematisieren um sich mit sich selbst zu beschäftigen :)

entschuldigung aber diesen herrn schneider kann man einfach nicht ernst nehmen

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